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199321

(1992) Medien-ethik, Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften.

Über die Geschäftsbedingungen der Massenmedien

Helmut F. Spinner

pp. 148-160

Im zweiten seiner beiden berühmtesten Vorträge — "Wissenschaft als Beruf" und "Politik als Beruf" — schreibt Weber mit der von ihm gern praktizierten geschulten Rücksichtslosigkeit des wissenschaftlichen Blicks über den Journalismus, zu dessen Erforschung er wichtige Anregungen gegeben und selbst wegweisende Schritte gemacht hat1: "Die Soziologie der modernen politischen Journalistik auch nur zu skizzieren, wäre im Rahmen dieses Vortrags ganz unmöglich und ist in jeder Hinsicht ein Kapitel für sich. Nur weniges gehört unbedingt hierhier. Der Journalist teilt mit allen Demagogen(!) und übrigens ... auch mit dem Advokaten (und dem Künstler) das Schicksal: der festen sozialen Klassifikation zu entbehren. Er gehört zu einer Art von Pariakaste, die in der ‚Gesellschaft" stets nach ihren ethisch tiefststehenden Repräsentanten sozial eingeschätzt wird. Die seltsamsten Vorstellungen über die Journalisten und ihre Arbeit sind daher landläufig. Daß eine wirklich gute journalistische Leistung mindestens so viel ‚Geist" beansprucht wie irgendeine Gelehrtenleistung — vor allem infolge der Notwendigkeit, sofort, auf Kommando, hervorgebracht zu werden und: sofort wirken zu sollen, bei freilich ganz anderen Bedingungen der Schöpfung —, ist nicht jedermann gegenwärtig. Daß die Verantwortung eine weit größere ist, und daß auch das Verantwortungsgefühl jedes ehrenhaften Journalisten im Durchschnitt nicht im mindesten tiefer steht als das des Gelehrten..., wird fast nie gewürdigt, weil naturgemäß gerade die verantwortungslosen journalistischen Leistungen, ihrer oft furchtbaren Wirkung wegen, im Gedächtnis haften."2

Publication details

DOI: 10.1007/978-3-322-99816-3_11

Full citation:

Spinner, H. F. (1992)., Über die Geschäftsbedingungen der Massenmedien, in M. Haller & H. Holzhey (Hrsg.), Medien-ethik, Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften, pp. 148-160.

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